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Einführung

Als Oberst Claus von Stauffenberg am 20. Juli 1944 einen Attentats-Versuch auf Adolf Hitler in dessen "Führer"-Hauptquartier "Wolfsschanze" unternahm und kurz darauf seine Mitverschwörer im Berliner Bendlerblock die Operation "Walküre" auslösten, um durch einen Staatsstreich der damals in Deutschland herrschenden Barbarei ein Ende zu machen, war dies das sichtbarste und geschichtsträchtigste Zeichen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Doch der 20. Juli 1944 war kein singuläres Ereignis. Er ist lediglich der Höhe- und auch Endpunkt einer breiten, von allen gesellschaftlichen und sozialen Kreisen getragenen Widerstandsbewegung, die es gab, seit es den Nationalsozialismus gab, und die zwischen 1938 und 1944 zahlreiche vergebliche Anläufe unternahm, um das Regime zu beseitigen und seine Verbrechen zu beenden.

Von den Menschen, die diesen Widerstand verkörperten, ihren Taten, Plänen und Zielen und auch von ihrem tragischen Scheitern, erzählt diese Seite.

Stauffenberg bei Hitler

Stauffenberg (ganz links) bei Hitler in der Wolfsschanze am 15.07.1944

... entscheidend ist die Unerträglichkeit, dass seit Jahr und Tag im Namen des deutschen Volkes Verbrechen auf Verbrechen, Mord auf Mord gehäuft wird, und dass es sittliche Pflicht ist, mit allen verfügbaren Mitteln diesen Verbrechen ... Einhalt zu tun.

Generaloberst Ludwig Beck kurz vor dem 20. Juli 1944

Der Widerstand gegen den Nationalsozialimus war vielschichtig und vielstimmig. Oftmals war er von den Taten Einzelner geprägt, wie dem Hitler-Attentäter Georg Elser oder kleinen und zumeist isoliert geblieben Gruppen wie die der "Weiße Rose".

Der 20. Juli hingegen fußte auf einer breiten Basis. Den politischen Unterbau bildeten zum einen Sozialdemokraten und Gewerkschafter - stellvertretend seinen hier Julius Leber und Wilhelm Leuschner genannt, die sich mit christlich motivierten Anhängern beider Konfessionen im Kreisauer Kreis zusammengeschlossen hatten.

Das zweite politische Standbein hatte der 20. Juli in der eher bürgerlich-konservativen Gruppe um den ehemaligen Leipziger Bürgermeister Carl Friedrich Goerdeler.

Ihnen - Goerdeler als Kanzler und Leuschner als Vize-Kanzler, so sahen es die Pläne des damaligen "Schattenkabinetts" vor - wäre im Falle eines geglückten Staatstreiches die schwere Aufgabe zugefallen, Deutschland wieder in die Gemeinschaft der Völker zu führen.

Sie hätten sich dabei auf eine Gruppe von Diplomaten und Spitzenbeamten in zahlreichen Ministerien stützen können, die sich zum Widerstand bekannt hatten und in ihm aktiv mitwirkten.

Im Vordergrund der öffentlichen Erinnerung und medialen Berichterstattung stehen jedoch die Offiziere der Wehrmacht, die an diesem Tag Attentat und Putsch versuchten. Von ihnen musste - und nur von ihnen konnte - der Impuls, die "Initialzündung", wie sie selbst sagten, ausgehen, denn nur die Wehrmacht verfügte über die technischen und organisatorischen Mittel, derer es nun einmal Bedarf, um einer auf Gewaltherrschaft beruhenden Regierung ein Ende zu machen.

In den fünf Kriegsjahren zwischen dem 1. September 1939 - dem Tag des Kriegsausbruchs auf dem europäischen Kontinent - und dem 20. Juli 1944, starben 2,8 Millioen Deutsche - Zivilisten und Wehrmachtsangehörige - durch Krieg und Gewalt. In den folgenden zehn Monaten bis zum Kriegsende in Europa am 8. Mai 1945 waren es 4,8 Millionen Tote - wiederum nur deutsche Staatsbürger. Setzt man die teilweise nur zu vermutenen Opferzahlen der anderen Völker hinzu, wird deutlich, welch Leid und Blutzoll hätte verhindert werden können.

Der 20. Juli 1944 ist jedoch ein gegriffenes, ein zufälliges Datum. Ihm gingen zahlreiche Anläufe und gescheiterte Versuche voraus, der erste bereits 1938 - also schon ein Jahr vor Kriegsausbruch.

Seit Ende des Krieges hat sich die Bewertung der Ereignisse vom 20. Juli 1944 in der öffentlichen Meinung mehrfach und teilweise scharf gewandelt. Es gilt das Wort des Historikers Joachim Fest: "Die Öffentlichkeit hat sich mit dem Widerstand gegen Hitler auch in jener einschlägigen Gestalt des 20. Juli immer schwergetan und nie hinreichend zur Kenntnis genommen, dass die Existenz einer vergleichsweise breiten Opposition entscheidend dazu beigetragen hat, dem Land die Rückkehr in die Welt zu ebnen."

Je mehr jedoch eine Konzentration auf die Bewertung erfolgt, je länger die Zeit den Mantel der Geschichte über die Ereignisse legt, und je mehr mediale Schlaglichter auf Einzelaspekte geworfen werden, desto weniger bleibt im Ergebnis vom Wissen um die eigentlichen Fakten und deren Verknüpfungen.

Diese Internetseite wendet sich an ein breites, historisch interessiertes Publikum. Wir haben Dokumente, Urkunden, Bilder, Text- und Tonaufzeichnungen und die Erinnerungen von Zeitzeugen zusammengetragen und uns bemüht, diese in einen - wenigstens groben - historischen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Wir wollen damit jedem Interessierten nicht nur die Möglichkeit geben, selbst zu werten, wir wollen auch mit den technischen Mitteln der heutigen Zeit versuchen, es dem Besucher zu ermöglichen, sich virtuell in eine Vergangenheit zu versetzen, die in Realität nicht erlebt zu haben, eine Gnade ist.